Der Stepvogel

Gehüpft wird immer!

Doppelbelastung…..oder regretting motherhood.. oder regretting second motherhood?

- 8. April 2015

Eigentlich wollte ich schon länger, über die Doppelbelastung aus Kind und Vollzeitstelle schreiben, da hab ich heute morgen in der Badewanne einen Blogpost von Lareine gelesen, der sich mit dem Thema „regretting motherhood“ (siehe auch den Artikel in der SZ zu dem Thema) beschäftigt. Und irgendwie hängt das alles auch etwas mit unserer Lage zusammen.

Vorweg erstmal finde ich die Frauen aus dem Artikel super mutig. Denn sowas macht man als Mutter bekanntlich nicht, man darf sich nicht beklagen. „Man hat es ja so gewollt“.

Wir sind eigentlich in einer komfortablen Position. Wir (also mein Mann und ich) sind beide zusammen selbständig, meine Eltern wohnen über unserem Büro und auch die anderen Großeltern sind aktiv eingebunden. Dieses Konstrukt hat dazu geführt, dass wir unsere Tochter von Anfang an mitgenommen haben ins Büro und ich so nach dem Wochenbett wieder einsteigen konnte. Ich mag meinen Job, mein Büro. Irgendwie ist das auch ein kleines Baby. Oder ein etwas größeres. Ich mag es selbständig zu sein. Seitdem meine Tochter zur Tagesmutter bzw. in den Kindergarten geht, wird sie im Wechsel abgeholt. Montags bin ich dran, Dienstags meine Eltern, Mittwochs meine Schwiegereltern, Donnerstags meine Eltern und Freitags mein Mann. Dadurch können wir relativ kleine Betreuungszeiten buchen und unsere Tochter muss nicht zu lange im Kindergarten sein. Sie geht gerne in den Kindergarten, es strengt sie aber schon an. Ich denke, sie profitiert dadurch. Alle freuen sich immer, sie zu sehen und jeder der Bezugspersonen ist gut gelaunt und hat Zeit und Lust auf und für sie. Wir können weiter arbeiten und den Laden am Laufen halten.

Eigentlich alles perfekt so, oder? Trotzdem ist es manchmal anstrengend und nervlich belastend. Wenn meine Tochter weint, weil sie weg von Omi und Opi soll. Oder Rollenspiele macht, in denen sie Tiere in ein Regal sperrt und sagt „soo, ihr pommt jetzt in den Käfig, Mama muss zur Arbeit, Küsschen und Tssüüüsss“. Wenn sie morgens mal nicht in den Kindergarten will, sondern noch zu Hause bleiben und spielen. Wenn ich Freitags ungeduldig darauf warte, dass Abend ist und ich sie sehen kann und weiß, dass später wieder Sport (mein Hobby und Freizeit, also selbst gewählt) ansteht. Wenn ich meinen Sportkurs Mittwochs verfluche, weil ich sie erst am nächsten Morgen (naja oder in der Nacht) sehe. Wenn andere Mütter erschrocken gucken, wenn ich erzähle, dass ich einen Nachmittag mit meiner Tochter in der Woche habe. Wenn andere Leute zu meinem Mann sagen: „du siehst dein Kind aber viel, wie toll“ und zu mir „so richtig viel Zeit hast du aber nicht für sie, oder?“. Wenn ich mich selber schäme, weil nach einem langen Wochenende endlich wieder Arbeit ist und meine Tochter mich manchmal nervt. Wenn meine Eltern ungesundes Essen in meine Tochter stopfen, obwohl wir es anders sagen und wir keinen großen Aufstand machen können, weil wir ja auf sie angewiesen sind.

Es ist schon andernorts oft geschrieben worden. Man hat einfach das Gefühl, dass man keine der Dinge zu 100 % macht. Und dabei sind wir ja noch vergleichsweise gut dran.

Manchmal überlege ich, ob ich bei Nummer 2 einen Ersatz für mich einstellen soll und dann mehr zu Hause bleibe. Aber das muss auch bezahlt werden und die persönliche Ansprechbarkeit ist auch ein unique selling point bei uns.

Zurück zum „regretting motherhood“. Nein, ich bereue nicht, Mutter geworden zu sein. Aber mich nervt manchmal die Doppelbelastung und dass ich nichts zu 100 % hinkriege. Und mich nervt meine Tochter manchmal. Und dann schäme ich mich. Weil ich sie ja eh so wenig sehe. Und ich nicht will, dass sie später mal denkt „Mama, das war diese Karriereziege, die oft auch noch von mir genervt war“.

Richtig große Sorge macht mir aber die Nummer 2. Denn obwohl sehr erwünscht und erwartet, habe ich doch einige Sorge. Ich fühle mich ja schon jetzt manchmal genervt und gestresst. Mit einem Baby dabei wird es dann bestimmt nicht weniger. Bisher nehmen wir unsere Tochter einfach immer mit. Wir haben Fernreisen auch weiter gemacht und sie nachmittags auf Partys mitgenommen und auch schonmal abends, wenn sie nachmittags auf einer Autofahrt eingeschlafen war. Ich will ihr auch das bisschen Exklusivzeit, was sie mit jedem von uns hat eigentlich nicht nehmen. Und 1 Kind kann man auch super zu Großeltern zum Übernachten geben, geht das auch mit 2 Kindern? Wann steige ich wieder in den Beruf ein? Warum musste es wieder November werden, die stressigste Zeit bei uns? Und vor allem: Hoffentlich bereuen wir diese Entscheidung nicht?

Ihr seht, eigentlich ist alles gut und die erwarteten 100 % wird es eh niemals geben. Wenn ich das irgendwann realisiert habe, dann ist alles tutti. Bis dahin fühle ich mich entweder als Wonderwoman wegen der Doppelbelastung oder als Rabenmutter, immer schön im Wechsel.

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3 responses to “Doppelbelastung…..oder regretting motherhood.. oder regretting second motherhood?

  1. lareine sagt:

    Das ewige schlechte Gewissen. Irgendwie haben das echt nur wir Mütter, oder?
    Meinen Mann hat noch niemand im Büro gefragt, wie er das hinbekommt, Karriere und vier Kinder … 😉
    Die Doppelbelastung ist wirklich nicht ohne …
    Und unsere Generation macht das alles ohne Vorbilder oder Leitbilder. Wir müssen irgendwie das Rad neu erfinden oder mindestens neu schleifen und justieren.
    Das ist schwierig und kann sich vielleicht gar nicht wie die perfekte Lösung anfühlen, während man es entwickelt und verändert und ausprobiert.

    • Kathi sagt:

      Lustig. Ich hab eben In der Küche gedacht: ob mein Mann auch eine Doppelbelastung empfindet und ein schlechtes Gewissen hat. Antwort: Doppelbelastung ja, schlechtes Gewissen: nö, wieso, denn?

  2. Nadja sagt:

    Hihi hab Deinen Blog heut erst entdeckt und mag ihn jetzt schon weil ich das grad selbst sein könnte genauso fühle ich mich momentan auch

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